John Everett Millais: Boyhood of Raleigh

Lagerfeuer, Hollywood, Blog – Storytelling schreibt Geschichte

John Everett Millais: Boyhood of Raleigh

„Dort ist es passiert!“ John Everett Millais: Boyhood of Raleigh

Das Erzählen von Geschichten, Storytelling, ist so alt, wie die Menschheit selbst. Waren es früher die mündlich tradierten Legenden, die den Sippen der Vorzeit das Überleben sicherten, später Heiligenlegenden, Märchen die (die älteren von) uns als Kinder fesselten oder heute Hollywood-Blogbuster, Schmonzetten und Musicals. Wir können uns der Macht und dem Zauber von Geschichten nicht entziehen.

Das zeitgeschichtlich jüngste Medium, das Internet, hat seine eigenen Erzählformen hervorgebracht. Neben vielen Sozialen Medien vor allem das Blog*. Und entgegen aller Prognosen hat das Blog, obwohl es ein frühes Webphänomen ist, noch stets Konjunktur.

„Das Medium ist die Botschaft“

Marshall McLuhan

Das Blog als Medium hat sich für das Geschichtenerzählen bewährt. Somit ist es legitim, dass ein Unternehmen, ein Institut oder Verband dieses Medium nutzt, um seine Botschaft – sei es eine Markenbotschaft, eine Expertise zu einem Thema oder ein gesellschaftlicher Standpunkt – zu erzählen. Denn auf das Erzählen kommt es an. Auf die Geschichte, das Storytelling. Die Geschichte handelt von Protagonisten, von Antagonisten, von Idealen, Zielen, Bemühungen, Zweifeln, Erkenntnissen und letztendlich Erfolg. Das ist eine Menge! Bämm! Eben deshalb weckt es das Interesse von Lesern, von Zuschauern oder Seitenbesuchern.

Erzähl meine Geschichte, ich bin ein Held!

Viele großen Geschichten folgen der Struktur der klassischen Heldenreise. Ein „Held“, der anfänglich natürlich noch keiner ist, wird für eine Mission auserkoren. Er bekommt einen Ruf. Er soll etwas erlangen, retten oder beschützen. Oftmals widerwillig begibt er sich auf die Reise voller Gefahren. An seiner Seite ein Mentor, bekämpft von einem Widersacher. Er zweifelt, hadert, hinterfragt und willigt letztendlich doch ein, seine Mission anzunehmen. Nach erfolgreicher Suche, auf der er natürlich die verrücktesten Abenteuer erlebt, kehrt er heim, um viele Erkenntnisse und Erlebnisse reicher. Als Retter seiner alten, nun veränderten Welt.

Ein Blog erzählt unsere Heldenreise

Und genauso ist doch auch unsere Geschichte! Wir haben eine Idee oder ein Ziel, ein Projekt. Wir haben Förderer und Widersacher. Wir setzen Energie, Zeit und Geld ein, um unser Ziel zu erreichen. Sei es die beste App für unser Thema auf den Markt zu bringen oder den besten Kaffee im Viertel zu kredenzen. Nach anfänglichen Phasen des Zweifels halten wir durch und voilà: da sind wir! Dieser Einsatz ist es Wert, erzählt zu werden. Natürlich auf einem Blog! Als Tagebuch, als Spielfilm mit Sequel, Prequel und Making of, gar als Serie mit sechs Staffeln. Je nach Dramaturgie. Diese Geschichte ist ehrlich und begeistert, denn das Leben hat sie geschrieben.

Werbung nervt – Geschichten wecken Interesse

Unser Blog hat definitiv das Potential unsere Geschichte sympathisch zu transportieren. Eine Werbebotschaft versagt häufig, weil sie als manipulativ durchschaut wird. Das bedeutet nicht, dass die Geschichte überzeugt, weil sie nicht durchschaut wird. Die Geschichte muss authentisch sein, während die Werbebotschaft qua se manipulieren möchte. In unserer Geschichte wird unsere Leidenschaft für das Produkt sichtbar, das Projekt bekommt ein Gesicht. Wenn die Geschichte gut ist, ein sympathisches.

Fazit:
Erzähl Deine Geschichte. Im Internet. Am besten auf einem Blog.

Zum Weiterlesen: Ein Interview mit der Storytelling-Expertin Meike Leopold, Autorin des Blogs Start Talking.

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* Ja, ich sage das Blog. Für mich ist es eine Kurzform für das Weblog. Diese Diskussion ist glaube ich so alt, wie das Bloggen selbst. Ich oute mich mal als ein Purist der frühen Bloggerjahre.

 

4 thoughts on “Lagerfeuer, Hollywood, Blog – Storytelling schreibt Geschichte

  1. Guten Tag!
    Dem Obigen kann ich voll und ganz zustimmen! Ihr Artikel ist darüber hinaus sehr gut geschrieben, da er inhaltlich und stilistisch abgestimmt ist. Man liest einfach weiter und weiter mit Interesse und kann nicht aufhöre – und klickt eben nicht weg. Ihre Botschaft darüber, dass man die Vermarktung als Geschichte, als eine Botschaft betreiben soll, kam deutlich herüber. Nur wenn Qualität dahinter steckt und wahres Interesse, dem Kunden zu helfen, Sympathie und Authentizität , dann wird es bei der Zielgruppe ankommen. Ich bin seit vielen Jahren Effizienztrainer und wenn ich mit einem meiner Kunden die Projektzeit abgeschlossen habe, dann verbessert sich nicht nur sein Umsatz positiv, und es tritt nicht nur die Freude an der Arbeit wieder ein. Vielmehr stellt sich ebenfalls eine allgemeine Lebensfreude erneut ein. Es wird mehr Zeit mit der Familie verbracht, neue größere und große Pläne werden geschmiedet! Um an dieses Ziel zu kommen, bedarf es häufig eines langen Atems, viele Schwierigkeiten müssen gemeistert werden. Der Zweifel, ob man es schafft, scheint so manches Mal alles zunichte zu machen, was man bis dahin schon erreicht hat. Es ist somit sehr abenteuerlich und emotional. Bis dann am Ende doch alles gut wird, der Kunden gestärkt aus dem Tal herauskommt und voller Erkenntnisse am Ende glücklich(er) dasteht. Eine meiner Lieblingserkenntnisse, die meine Kunden haben ist – bereits von Henry Ford gesagt worden – „Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.“ Das kann ich nach mehr als zwanzig Jahren als Effizienztrainer absolut bestätigen. Diesen Weg, diesen Arbeits- und Lebens-Wandel eines Geschäftsführers angemessen zu beschreiben, bedarf definitiv einer Geschichtenerzählung und nicht „nur“ Werbung. Denn es stimmt, wir alle lieben gute Geschichten. Heldentaten und Abenteuer.
    Beste Grüsse,
    René Stareczek

    1. Hallo Herr Stareczek,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre weiteren Ausführungen zum Thema Geschichte und Effizienz. Es freut mich sehr, dass Sie meinen Artikel gerne gelesen haben. Herzliche Grüße ins Schwabenland.

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